Der Ölriese Shell plant einen neuen Supercoup. Mit einer riesigen, schwimmenden Pipeline soll künftig das Gasfeld vor der Küste Australiens ausgebeutet werden. Denn Shell will das größte Schiff der Welt bauen lassen.

Vier Fussballfelder lang und rund 600.000 Tonnen schwer. Das klingt unglaublich, doch Shell hat dieses Megaprojekt bereits Mitte Mai bei einem koreanisch-französischen Anlagenbaukonsortium in Auftrag gegeben. Es wird eine riesige, schwimmende Erdgas-Raffinerie gebaut, mit der der Ölriese auf die steigende Nachfrage nach Flüssiggas reagieren will. Gleichzeitig wird die Ausbeutung von Tiefseegasfeldern voran getrieben. Und trotz der enorm hohen Kosten, rund 8 Milliarden Dollar soll das Schiff kosten, ist der Bau immer noch günstiger wie der einer Pipeline.
Die schwimmende Raffinerie soll nach ihrer Fertigstellung im Jahr 2017 vor der Küste Australiens ihren Anker lassen und dort knapp 25 Jahre liegen bleiben. So lange werde es wohl dauern, eh die Gasfeldreserven aufgebraucht sein werden. Denn das Prelude Gasfeld wird auf eine Kapazität von 3000 Milliarden Kubikfuß geschätzt. Jährlich sollen dort 5,3 Millionen Tonnen Flüssigkeit gewonnen werden, davon allein 3,6 Mill. Tonnen LNG. Mit diesem Projekt landet Shell einen echten Durchbruch in der LNG-Industrie.
Dabei wird die Anlage ein echter Alleskönner sein. Sie soll Wirbelstürmen standhalten und das geförderte Gas auf -162°C herunter kühlen, um sein Volumen zu senken, damit ein Hochsee-LNG-Tanker mehr Gas aufnehmen kann. Die Verantwortlichen dieses Projekts glauben fest daran, dass das Projekt ein echter Durchbruch für die Energiewirtschaft ist und gleichzeitig ein bedeutender Schritt für die Offshore-Entwicklung von Gasfeldern. Weitere Projekte zwischen Shell und dem Durchführer, Samsung Engineering/Technip sollen folgen.
Der Gasmarkt wird sich durch diese Projekte wohl deutlich verändern, denn Australien ist einer der wichtigsten Wachstumsmärkte, und Shell plant dort in den kommenden fünf Jahren Investitionen in Höhe von rund 30 Milliarden US-Dollar.