Pünktlich zum Jahrestag des Super-Gaus im Atomkraftwerk Fukushima fanden am 11.03.2012, dem vergangenen Sonntag, in ganz Deutschland zahlreiche Demonstrationen und Protestaktionen gegen Atomenergie statt. Vor allem bei den AKWs Brokdorf, Gundremmingen und Neckarwestheim sowie an der Urananreicherungsanlage in Gronau liefen mehrere Tausend Demonstranten auf und forderten einen sofortigen Atomausstieg.
Atomkatastrophe von Fukushima zeigt Gefahren der Atomkraft auf
Das Atomunglück, das am 11. März 2011 im Kernreaktor Fukushima-Daiichi stattfand, war die größte Atomkatastrophe seit Tschernobyl. Nachdem ein Erdbeben und ein dadurch verursachter Tsunami Japan erschütterten und dabei 19.000 Menschen direkt starben, fanden in den Blöcken 1 bis 3 des Atomkraftwerks Fukushima Kernschmelzen statt. Inzwischen kam heraus, dass der damalige SUPER-Gau tatsächlich schon nach wenigen Stunden der damaligen Regierung unter dem Premier Naoto Kan bekannt war, aber der ehemalige Premier das Atomunglück erst zwei Monate nach dem Vorfall bestätigte.
Laut den Aussagen und Reden der deutschen Atomkraftgegner habe die Atomkatastrophe in Fukushima erneut verdeutlicht, wie unberechenbar und unkontrollierbar die Atomenergie in Wirklichkeit sei, so dass eine ähnliche Katastrophe wie im japanischen Kernkraftwerk nicht verhindert werden könne. Bei den Protestaktionen in Gronau trat als Rednerin u.a. auch die in Fukushima geborene Naho Dietrich Nemoto auf, die bedauerte, dass ihre Heimatstadt nie wieder wie früher sein könne.

Aktuelle Demonstrationen gegen Atomkraft in Deutschland
Die Atomkraftgegner in Deutschland konzentrierten sich an Orten, die als Schlüsselpunkte der Nutzung von Atomenergie für die Stromversorgung betrachtet werden. So kamen ca. 3.000 Demonstranten vor dem Kernreaktor Brokdorf und noch einmal etwa 10.000 bei den AKWs Gundremmingen und Neckarwestheim zusammen.
Besondere Aufmerksamkeit erfuhr auch die Urananreicherungsanlage in Gronau, da hier bis zu 10 % des kompletten Brennstoffs für Atomkraftwerke produziert werden. Allein an dieser Produktionsanlage versammelten sich 10.000 Atomkraftgegner. Von vielen der Demonstranten wird die Urananreicherungsanlage bzw. die Betreiberfirma Urenco, das als Joint-Venture zwischen Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden betrieben wird, als mitverantwortlich für die Atomkatastrophe in Fukushima gehalten, weil Urenco der japanischen Betreiberfirma Tepco das benötigte Uran lieferte.
An den Demonstrationen beteiligte sich auch die Partei der Linken, die ein endgültiges und baldiges Aus für die Urananreicherungsanlage in Gronau forderte. Derzeitig werden 97 % des hier hergestellten Urans exportiert.
Atommüll: Wohin damit?
Einen besonderen Schwerpunkt der aktuellen Proteste gegen die Nutzung von Atomenergie für die Energieversorgung bildet die fragwürdige Entsorgung der radioaktiven Abfälle und Rückstände aus den Atomkraftwerken. Auch für den in der Urananreicherungsanlage Gronau entstehenden Atommüll gibt es bisher keine endgültige Lösung für die Entsorgung. Neben den Kernkraftwerken und der Urananreicherungsanlage wurde daher auch die hessische Landeshauptstadt Hannover von den Atomkraftgegnern aufgesucht. Denn Hannover ist verantwortlich für die Atommülllager Gorleben, Asse und den Schacht Konrad.
Als großer Kritikpunkt gegen die Atomkraft gilt vor allem auch die unzureichende Sicherheit der bereits existierenden AKW in Deutschland: So befindet sich Neckarwestheim beispielsweise in einer als Erdbebengebiet eingeschätzten Region und Brokdorf könnte durch eine anschwellende Elbe bedroht werden.