Strom|2. April 2012 11:10

Sachsen: Viele arme Haushalte ohne Stromversorgung

Energieversorger drehen auch aktuell den Strom ab, wenn nach Mahnungen nicht gezahlt wird. Laut der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS) sind vor allem im Sachsen viele Menschen davon betroffen und es werden immer mehr. Nicht nur Haushalte, sondern auch kleinere Unternehmen leiden darunter, dass der Strom in den letzten Jahren deutlich teurer geworden ist und damit für viele unbezahlbar geworden ist.

Strompreise steigen – besonders in Sachsen

Letztes Jahr wurden insgesamt 3.900 Euro von den Deutschen im Durchschnitt für Energie bezahlt, davon fielen 41 % für Kraftstoff, 36 % für Wärmeversorgung, z.B. mit Gas, und 23 % für die Stromversorgung an. 268 Euro oder 7,7 % mussten somit 2011 mehr bezahlt werden als noch 2010. Vor allem in Sachsen erhöhten sich die Strompreise erheblich. Mit einem Stromanbieterwechsel ließen sich aber immer noch zwischen 80 und 120 Euro pro Stromanschluss einsparen.

Sehr viele Mahnungen schickten die Stadtwerke Dresden (Drewag) heraus, ca. 125.000 Mahnungen allein im vergangenen Jahr. Abgedreht wurde der Strom aber nur 3.300 Schuldner, alle anderen konnten früher oder später doch noch bezahlen, beispielsweise über vereinbarte Ratenzahlungen. Privathaushalte schuldeten an die Dresdener Stadtwerke 2,5 Millionen Euro, Unternehmen sogar etwa 3 Millionen Euro. Nach Angaben der Pressesprecher wurden vor zehn Jahren aber noch doppelt so viele Haushalte angemahnt.

Leipzig, Elbtal und Chemnitz: Auch zahlreiche Mahnungen

Die Stadtwerke Leipzig geben zwar keine Zahlen heraus, wie viele Haushalte oder Firmen wegen nicht gezahlter Rechnungen Mahnungen erhielten, aber auch hier werden es vermutlich einige gewesen sein. Ab April haben sich zudem die Strompreise hier wieder erhöht. Immerhin wartet Leipzig mit einer Energieberatungszentrale auf, mit der man Ratenzahlungen absprechen kann.

Die Elbtal Stadtwerke mit ihrem Sitz in Radebeul im Kreis Meißen haben sogar 14.100 Mahnungen herausgeschickt. Das Procedere verläuft so, dass die erste Mahnung nach sieben Tagen versandt wird und die dritte, die auch die letzte Mahnung ist, nach 35 Tagen.

Der Chemnitzer Energieversorger Envia-M mahnt sogar pro Monat 59.000 Haushalte und Unternehmen an, hier schulden Privathaushalte und Gewerbefirmen insgesamt 17,5 Millionen Euro. 2011 wurden 8.000 Kunden nach ergebnislosen Mahnungen nicht mehr mit Strom versorgt, d.h. insgesamt 1.800 Kunden mehr als noch 2010. Von der ersten Zahlungsnachforderung bis zum Sperren der Stromversorgung vergehen hier normalerweise 65 Tage. Das Vereinbaren von Ratenzahlungen mit den Kunden würde jedoch stark genutzt, 2011 mussten so ca. 10.250 Kunden ihre Stromrechnung per Raten bezahlen, 1.000 Kunden mehr als im Jahr davor. Insgesamt verfügt Envia-M über 1,2 Millionen Stromkunden, die nicht nur in Sachsen, sondern auch Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen wohnen.

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