Solarenergie|16. April 2012 12:05

Börsenexperte Gerke und Solar Millennium: Beziehung unter Verdacht

Derzeitig befindet sich in der deutschen Energiewirtschaft einiges im Wandel: Auf lange Sicht sollen alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden und erneuerbare Energien wie Solarkraft oder Windenergie sollen immer mehr in den Vordergrund treten. Doch gerade für die Solarbranche ziehen momentan dunkle Wolken am Himmel auf. Besonders problematisch sieht es dabei für das Photovoltaik Unternehmen Solar Millennium aus dem fränkischen Erlangen aus, wobei vor allem auch die Beziehungen zum Börsenprofessor und -experten Wolfgang Gerke in Frage gestellt werden.

Gerke von Anlegern für Solar Millennium Aktien kritisiert

Der Börsenprofessor Wolfgang Gerke (68) unterstützte bis zum letzten Jahr auf verschiedenem Wege das deutsche Solaranlagen Unternehmen Solar Millennium und wird dafür von zahlreichen Anlegern des Unternehmens angegriffen. Bisher und auch in der Zwischenzeit hatte Gerke schon in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam gemacht, als er bei diversen Fernsehauftritten zu Themen wie der Schuldenkrise Stellung nahm.

Doch spätestens seit das Solarenergie Unternehmen Solar Millennium in der Kritik steht, wird auch Gerke skeptisch betrachtet. Mehrere Geschäfte und Photovoltaik Projekte von Solar Millennium scheiterten noch in der Bauphase. Beispielsweise wurden riesige Sonnenkraftwerke wie in Kalifornien zwar geplant, aber nicht realisiert. Inzwischen untersuchen die Finanzaufsicht Bafin und mehrere Gerichte die fragwürdigen Umstände und Geschäfte von Solar Millennium, das letztes Jahr Weihnachten einen Insolvenzantrag stellte. 30.000 Aktionäre wurden um insgesamt 300 Millionen erleichtert und noch ist unklar, wohin dieses Geld verschwunden ist.

Gerke: Opfer oder Gewinnscheffler?

Inwieweit der Börsenexperte Gerke an den Verlustgeschäften beteiligt war oder nicht, wird derzeitig auch von der Finanzaufsicht untersucht. Er soll bis zu 400.000 Euro von der Solar Millennium kassiert haben. Gerke sieht sich selbst als unschuldiges Opfer und behauptet, die Technologie des Photovoltaik Unternehmens hätte ihn so sehr überzeugt, dass er bereit war, in die Firma zu investieren und dafür auch Werbung zu machen. Fest steht nur, dass er diesen Weg auch dann noch beschritten hat, als bereits Gerüchte über die Unseriösität der Solaranlagen Firma kursierten.

Hannes Kuhn, einer der Gründer von Solar Millennium, kennt laut seiner eigenen Aussage Gerke schon länger persönlich, auch wenn Gerke dieses bestreitet. Inzwischen laufen gegen Kuhn zahlreiche Ermittlungsverfahren. Gerke behauptet, er habe von Kuhns unseriösen Geschäften nichts gewusst.

Gerke und das Photovoltaik Unternehmen Solar Millennium

Zum ersten Mal wurde Gerke 2005 als Gastredner zu der Hauptversammlung von Solar Millennium eingeladen. Besonders eng verbunden hat sich Gerke mit der 2010 gegründeten Tochtergesellschaft Solar Millennium Invest (SMI). Der Mittelständler fungierte seit ihrer Gründung als Teilhaber und sollte Anleger gewinnen und für das Unternehmen institutionelle Investoren wie die Allianz an Land ziehen. Gerkes eigene Firma Audire kaufte 45 % der Anteile an SMI, obwohl Audire damals selbst schon hoch verschuldet war. Interessanterweise war der Gründer des Solarkraft Unternehmens Hannes Kuhn zeitweilig auch als Steuerberater für Audire tätig und sicherte Gerke einen hohen Kredit, mit dem dieser die Anteile an der SMI überhaupt erst erwerben konnte. So erhielt Gerke einen Vorschuss von ca. 500.000 Euro für zukünftige Provisionen und zusätzlich noch 275.000 Euro als Darlehen für Audire.

Tatsächlich hat Gerke aber keinen einzigen Investor für SMI gewonnen. Seiner Ansicht nach liegt dies ausschließlich daran, dass er in seiner Arbeit behindert wurde. Außerdem sollen seinen Aussagen nach bei Solar Millennium nicht Technologien einer umweltschonenden Energieversorgung im Vordergrund gestanden haben, sondern interne Intrigen. Der frühere Vorstand Thomas Mayer vertritt hingegen die Meinung, dass Gerke keine Arbeit geleistet habe.

Gerke profitiert an Photovoltaik Unternehmen

Trotzdem hat Gerke eine hohe Summe als Vergleichszahlung von Solar Millennium erhalten. Als sich Ende August 2011 Audire von SMI zurückzog, vereinbarten der damalige Vorstandschef Christoph Wolff und Gerke einen Vergleich mit Stillschweigeabkommen über 400.000 Euro. Ansonsten hatte Gerke mit einer Klage in Millionenhöhe drohen wollen. Aber auch heute sitzt Wolfgang Gerke noch im Vorstandsrat von SMI und auch jetzt wirbt das Unternehmen noch mit seinem Namen um neue Aktionäre. Welche Beziehungen zwischen dem Photovoltaik Unternehmen und Gerke tatsächlich bestanden und welche Rolle der Börsenexperte bei den dubiosen Geschäften spielte, steht auf jeden Fall auch im Fokus der Ermittlungen.

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