Am vergangenen Samstag, dem 05.05.2012, wurde der letzte Kernreaktor in Japan abgeschaltet. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima, die vor etwas mehr als einem Jahr geschah, hatten die Betreiber hintereinander alle Atomreaktoren abgeschaltet, um Wartungsarbeiten und Sicherheitstests durchzuführen. Bisher konnte noch kein AKW wieder hochgefahren werden. Damit wird Japans Energieversorgung zum ersten Mal seit mehr als 40 Jahren ohne Atomstrom gewährleistet.
Die Bedeutung der Atomkraft für Japan
Gerade in Japan hatte die Atomenergie mit bis zu einem Drittel einen Großteil des Stromverbrauchs abgedeckt. Insgesamt gibt es immer noch 50 Atomkraftwerke in Japan. Doch seit dem Reaktorunglück in Fukushima herrscht die Unsicherheit in der Bevölkerung. Da die Umgebung um die zerstörten Atomreaktoren großflächig mit radioaktivem Material verseucht wurde, wächst der Widerstand in der Bevölkerung gegen eine erneute Verwendung von Atomstrom. So hatte der japanische Ministerpräsident Yoshihiko Noda schon im April diesen Jahres erklärt, dass die Wiederinbetriebnahme des Reaktors in Oi unbedenklich wäre, aber die Anwohner sperrt en sich dagegen. Inzwischen ist es nämlich nicht nur erforderlich, dass die AKW den von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) durchgeführten Stresstests standhält, sondern auch die Anwohner müssen ihr Einverständnis erklären.

Japans Energieversorgung ohne Strom möglich?
In der japanischen Hauptstadt demonstrierten ca. 5500 Menschen am vergangenen Samstag gegen ein Wiedereinschalten der AKW. Dies zeigt, dass die Bevölkerung durchaus nicht bereit ist, so kurz nach dem schlimmsten Reaktorunglück aller Zeiten wieder auf Atomenergie zu vertrauen. Rebecca Harms, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament, sieht die Abschaltung der Kernreaktoren und die wachsende Ablehnung der Bevölkerung als positives Zeichen. Auch ohne Atomstrom könne die Energieversorgung eines ganzen Landes garantiert werden.
Doch die momentane Entwicklung hat auch ihre Kehrseite: Die japanischen Stromkonzerne befürchten, dass im Sommer Engpässe auftreten könnten. Vor allem der Stromkonzern Kansai Electric Power, der in erster Linie Großstädte wie Kobe mit Strom beliefert, schätzt, durch eingeschaltete Klimaanlagen könne der Stromverbrauch bis um zu 20 % steigen. Diesem hohem Strombedarf seien jedoch die anderen Energiequellen nicht gewachsen. Kansai Electric Power hat letztes Jahr 2,28 Milliarden Euro verloren, da die Wiederinbetriebnahme alter Wärmekraftwerke viel Geld verschlang.
Außerdem werden durch die Abschaltung der Atomkraftwerke mehr als zuvor Erdgas und andere Rohstoffe gebraucht, die zum Teil teuer importiert werden müssen. Dadurch entstehen höhere Emissionen von Kohlenstoffdioxid und die Strompreise für die Verbraucher steigen. Zugleich wirbt die japanische Regierung fürs Energiesparen.